Im Interview – Doodle Dungeon Autor Ulrich Blum

Das ewige Monster töten, Schätze klauen und Kumpel erstechen erscheint euch auf Dauer ungerecht? Euer Gewissen meldet sich nach einer Spielrunde, in der ihr wieder mal hunderte (mindestens!) Monster verhauen habt? Ihr überlegt, eine „Rettet die Monster“-Petition zu starten? Spätestens an dieser Stelle sollte euch klar werden, so kann es nicht weitergehen – das ewige Monster killen muss ein Ende haben! So oder so ähnlich könnte das auch bei Ulrich Blum gewesen sein, denn in seinem neuesten Spiel, Doodle Dungeon, seid ihr auf Seite der Monster statt gegen sie anzukämpfen. Gut, so ganz ohne Hauen und Stechen geht es dann doch nicht, aber dieses Mal müssen die einfallenden Helden dran glauben oder zumindest ordentlich was einstecken. Aber was hat das Ganze jetzt mit dem angeteaserten Dungeon bauen zu tun, das euch vielleicht dazu motiviert hat, diesen Beitrag anzuklicken? Alles nur heiße Luft und es geht doch wieder nur ums verhauen? Keine Sorge! Doodle Dungeon ist nämlich so viel mehr als nur Dungeon bauen oder Helden ausknocken – es vereint beides und das macht unser neues Funspiel schlussendlich so besonders.

Konkret gesagt heißt das, dass ihr zu Beginn des Spiels euren eigenen Dungeon erhaltet – herzlichen Glückwunsch! Doch dieser ist, der unglaublich günstige Preis hätte euch eine Warnung sein sollen, komplett leer. Nun ja, wenigstens könnt ihr jetzt eurer Kreativität freien Lauf lassen – zumindest insofern das nahegelegene Fallen-Outlet-Center das passende Equipment bereithält. Im ersten Schritt des Spiels stattet ihr also euren Dungeon aus. Das funktioniert über Karten, die ihr über 14 Runden hinweg auswählt. Die Fallen, Mauern, Monster oder Schätze, die ihr so erwerbt, zeichnet ihr direkt in euren leeren Dungeon ein, der sich so nach und nach füllt. Und das ist auch gut so, denn in der zweiten Phase kommt auch schon der Held, der sich auf die Suche nach Schätzen in eurem Dungeon macht. Ungeheuerlich, oder? Es könnte so schön sein, wenn ihr selbst den Weg wählen könntet, den der Held durch euren Dungeon nimmt – jede Falle und jedes Monster würde er treffen außer natürlich die, die eure Schätze bewachen, denn die sollen am Ende des Spiels natürlich noch an Ort und Stelle sein. Aber nein, ein Mitspielender zeichnet den Heldenweg durch euren Dungeon. Na gut, in der dritten und letzten Phase könnt ihr eure Monster dann immerhin selbst in den Kampf gegen den Lump schicken und für sie würfeln. Hier kommen eure Anfangskarten nochmal ins Spiel, denn die zeigen nicht nur Dungeonausstattung, sondern auch Spezialeffekte oder besonders coole Waffen. Wenn ihr euren Dungeon am Ende am besten verteidigt habt, ist euch der Sieg gewiss und, viel wichtiger, der Tunichtgut, der in euren Dungeon eingefallen ist, kommt hoffentlich nie wieder!

Nun möchten wir euch aber nicht länger auf die Folter spannen und euch endlich den Gast des heutigen Beitrags vorstellen – Autor Ulrich Blum. Ulrich ist einigen von euch vielleicht schon ein Begriff, denn er hat nicht nur 2009 das Spieleautoren-Stipendium des Spiel des Jahres gewonnen, sondern er hat auch schon einige erfolgreichen Spiele veröffentlicht, zum Beispiel die Brettspielumsetzung von Minecraft. Heute wollen wir ihn aber zu seinem neuesten Spiel befragen – Doodle Dungeon. Also, los geht´s:

Hi Ulrich, du bist inzwischen ein erfolgreicher und sehr aktiver Spieleautor. Aber wie alt warst du, als du deine erste Spielidee entwickelt hast und wurde daraus jemals ein Verkaufsprodukt?

Das hat relativ früh angefangen. Regelvarianten für bestehende Spiele habe ich mit Sicherheit schon mit zehn Jahren oder sogar noch früher entwickelt. Spätestens mit zwölf habe ich dann auch ganz neue Spiele entwickelt und auch selbst Prototypen gebastelt. Eines dieser Spiele hatte ich mir in den letzten Jahren tatsächlich mal wieder angeschaut um zu prüfen, ob es nicht doch Potential für eine Veröffentlichung hat. Das Spiel war durchaus überraschend gut, dafür dass ich es so früh in meinem Leben entwickelt hatte. Allerdings habe ich die weitere Entwicklung aufgegeben, da ich wenig Marktchancen für das Spiel sah. Für die heutige Spielelandschaft fehlte ihm der entscheidende Pfiff.“

Arbeitest du neben deiner Tätigkeit als Spieleautor noch in einem anderen Beruf?

„Nein, ich bin seit inzwischen zehn Jahren hauptberuflicher Spieleautor. Davor war ich Schauspieler und nochmal davor habe ich eine Ausbildung als Koch absolviert.“

Bevor wir zu Doodle Dungeon kommen, lass uns nochmal über das Spiele entwickeln generell sprechen. Gibt es bestimmte Aktivitäten, die dir dabei helfen, besonders kreativ zu werden? Stefan Feld hat z.B. mal berichtet, dass ihm seine Ideen bei Bahnfahrten oder beim Staubsaugen kommen.

„Ehrlich gesagt mag ich das Bild des Kreativen, der darauf wartet, dass ihn die Muse küsst, nicht. Kreativität ist eine Technik. Das kann man lernen. Der Rest ist schlicht und einfach Arbeit. Ich kann mich hinsetzen und eine Idee nach der anderen produzieren. Aber Ideen sind billig. Ich habe einen ganzen Ordner voll mit Dutzenden Ideen, aber eine Idee allein macht noch kein Spiel. Die erste Idee macht vielleicht ein Promille der Arbeitsleistung für ein fertiges Spiel aus.“

Spannend! Gab es dann überhaupt den einen Moment, in dem dir die Idee zu Doodle Dungeon kam und wenn ja, was war der Auslöser?

„Ich war für den Prototypen eines anderen Spiels auf der Suche nach Bildern eines Dungeons. In der Bildersuche sah ich dann ein Bild aus dem App-Spiel ‚Guild of Dungeoneering‘. Das Spiel sieht aus wie ein auf Karopapier handgezeichneter Dungeon. Ich dachte sofort: ‚hmmm, selber einen Dungeon auf Papier zeichnen, das könnte interessant sein‘. Aber wie schon oben beschrieben war das aber wirklich nur der Startpunkt - bis zum fertigen Spiel war es von da an noch viel Arbeit.“

Testbögen Doodle Dungeon

Kannst du uns etwas mehr über die Arbeit an Doodle Dungeon erzählen? Was waren besondere Herausforderungen bei der Umsetzung?

Doodle Dungeon war eines dieser Spiele, die relativ schnell schon relativ gut funktionierten. Von ‚relativ gut‘ bis zu ‚das ist ein tolles Spiel und ich bin zufrieden damit‘ war es aber ein ziemlich langer Weg. Es gab mindestens fünf komplett unterschiedliche Arten, wie die zweite Hälfte des Spiels funktionieren sollte. Da habe ich viel ausprobiert und manchmal auch Dinge weggeschmissen, die schon länger in Entwicklung waren. Auch in der redaktionellen Arbeit zusammen mit Pegasus haben wir nochmal eine radikalere Änderung umgesetzt bis es dann schließlich ein wirklich rundes Spielerlebnis war.“

Und wie lange hat die Entwicklung des Spiels gedauert?

„Alles in allem etwa 3 Jahre. Wobei man aber als Autor im Normalfall immer mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen hat. Eine netto Arbeitszeit lässt sich also im Nachhinein nur noch schwer ermitteln. Den Aufwand einer Stundenerfassung betreibe ich nur für Auftragsprojekte in denen ich auch pro Stunde bezahlt werde. Bei allen anderen Projekten will man es mitunter gar nicht so genau wissen. :D Ich weiß nicht mehr wer es gesagt hat, aber ein erfahrener Kollege meinte mal: Bei manchen Spielen wäre Flaschenpfand sammeln finanziell interessanter gewesen … Aber des Geldes wegen entscheidet man sich in der Regel ja auch nicht dazu, Spieleautor zu werden. :)“

Lass uns nochmal ein bisschen genauer auf Doodle Dungeon schauen: Was hat sich von der ursprünglichen Idee zum finalen Produkt am meisten verändert?

Der radikalste Wechsel war der Blickwinkel des Spielenden. In den frühen Versionen spielte man noch FÜR den Helden. Den Dungeon hat man gezeichnet, um es dem Helden eines anderen Spielenden möglichst schwer zu machen. Das fühlte sich aber immer irgendwie seltsam an. Es wurde dann immer deutlicher, dass es für das Spiel mehr Sinn ergibt, die Rolle des Dungeonmeisters zu spielen. Lange habe ich dann Wege gesucht, die Helden automatisiert durch den gebauten Dungeon zu bewegen. Das waren aber immer mühsame Flussdiagramme mit vielen Wenn/Dann Abfragen. Irgendwann merkte ich dann zum Glück: Alles was ich brauche ist ein Gehirn das eine Minute da drauf schaut und sich für einen Weg entscheidet. Diese Lösung, in der ein Mitspielender den Weg meines Helden bestimmt, funktioniert wunderbar und hat es daher auch ins Spiel geschafft.“

Was ist deiner Meinung nach das Besondere an Doodle Dungeon und wer sollte es sich unbedingt mal anschauen?

Doodle Dungeon ist im Herzen ein Fun Spiel und wird daher auch als solches bei Pegasus gelistet. Es hat aber durchaus eine gewisse strategische Tiefe. Wer mehrere Partien gespielt hat wird im Schnitt die besseren Dungeons zeichnen. Besonders wer Freude daran hat, seinen Dungeon zu planen, aber auch einfach mal etwas Witziges spielen möchte, ist hier perfekt aufgehoben. Kennerspieler, die als Absacker etwas suchen, das trotzdem noch etwas Planung verlangt, werden sich freuen. Für Familienspieler taugt das Spiel aber auch als ‚Hauptgang‘.

Doodle Dungeon wurde von John Kovalic illustriert, der vor allem für sein Artwork in Munchkin berühmt ist. Denkst du, Doodle Dungeon richtet sich an eine ähnliche Zielgruppe wie Munchkin?

„Absolut! Doodle Dungeon hat etwas mehr Tiefe als Munchkin, aber die witzige Grundhaltung und die satirische Adaption klassischer Dungeoncrawler findet sich auch hier wieder.“

Welche Art von Spielen spielst du selbst am liebsten?

„Ich mag vor allem Spiele, die mir ein besonderes Erlebnis bescheren. Die dürfen dann auch gerne etwas seltsam oder anders als andere Spiele sein. Spiele wie The 7th Continent, Fog of Love oder Captain Sonar fallen mir da spontan ein. Alle sehr unterschiedlich, aber alle auf ihre eigene Art ganz besonders. Und bei allen habe ich ein ganz eigenes Erlebnis, welches sich von vielen anderen Spielen komplett unterscheidet.“

Und last, but definitely not least, was sind deine nächsten Spieleprojekte? Woran arbeitest du gerade?

„Auch mein nächstes Spiel wird bei Pegasus erscheinen. Es ist eine Zusammenarbeit mit Jens Merkl. Zu dem Spiel selbst kann ich noch nichts verraten, außer dass es definitiv auch ein Spiel ist, das ein Erlebnis generiert, was man so in anderen Spielen noch nicht hatte.“

Lieber Ulrich, vielen Dank für deine Antworten! Wenn ihr jetzt Lust darauf habt, Doodle Dungeon selbst kennenzulernen, dann stattet eurem Lieblingsspieleladen einen Besuch ab, denn ab heute gibt es dort die Welcome Back Sales. Damit feiern wir die Wiedereröffnung der Spieleläden und ihr erhaltet viele Spiele zu super Aktionspreisen – auch Doodle Dungeon, für das ihr sogar noch eine bislang unveröffentlichte Promo bei eurem teilnehmenden Spieleladen dazu erhaltet. Wenn ihr vorher erstmal in Doodle Dungeon reinschnuppern wollt, dann schaut jederzeit ganz entspannt von zuhause aus in unserer digitalen Spieleausleihe vorbei. Dort könnt ihr jederzeit online und kostenlos eine Partie alleine oder mit bis zu vier Mitspielenden spielen.

 

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