Spieleentwicklung – MicroMacro – Crime City

Vor genau einer Woche wurde das brandneue Spiel unseres Partners Edition Spielwiese enthüllt, das im Oktober bei uns erscheinen wird: MicroMacro – Crime City. Zuvor konntet ihr schon rund zwei Wochen miträtseln, was es mit dem mysteriösen Hashtag #mima20 und den Wimmelbildpostkarten auf sich hat, die an verschiedensten Stellen in den sozialen Medien kursierten. Um den Promofall zu spielen, müsst ihr euch aber nicht erst alle Postkarten zusammensuchen und ausdrucken. Schaut stattdessen einfach auf der MicroMacro-Landingpage vorbei und spielt den Promofall „Heiße Fritten“ ganz einfach digital. Aber vielleicht wisst ihr auch noch gar nicht, was genau es eigentlich mit MicroMacro auf sich hat oder was ihr euch darunter vorstellen könnt: MicroMacro, eigentlich MicroMacro – Crime City, ist ein kooperatives Detektivspiel. Falls euch jetzt Spiele wie Detective, Scotland Yard oder die Exit- Titel in den Sinn kommen, weit gefehlt! Bei MicroMacro habt ihr einen großen (75 x 110 cm) Spiel- bzw. Stadtplan von Crime City vor euch sowie die Karten einer der 16 Fälle. Alle haben eines gemeinsam: Ein Verbrechen ist geschehen! Nun müsst ihr gemeinsam ermitteln, Motive und Beweise finden und den Täter schließlich überführen. Doch das ist in der geschäftigen Stadt gar nicht so einfach. Und so sind eure Kreativität genauso gefragt wie ein gutes Auge, um alle Fragen auf den Fallkarten richtig zu beantworten.

Die kreativen Köpfe hinter MicroMacro sind das Autoren-/Illustratoren-Trio Johannes Sich, Daniel Goll und Tobias Jochinke von Hard Boiled Games. Die Idee zum Spiel hatten sie bereits 2016, doch für ein derart detailliertes Spiel wollten sie sich genügend Zeit für die Entwicklung nehmen, denn schon für den allerersten Prototypen-Test war viel Vorarbeit nötig, wie Johannes berichtet: „Normalerweise nutzt man bei einem Alpha-Test sehr rudimentäre Prototypen. Aber dieser Ansatz widersprach in diesem Fall sozusagen dem Grundprinzip des Spiels – denn der aufwändige Detailreichtum der riesigen Illustration ist ja gerade der Kern des Spiels. Der allererste Test erforderte also schon eine recht aufwändige grafische Vorarbeit. Diese erste Zeichnung einer Stadt war damals allerdings doch noch extrem rudimentär, wenn man sie mit dem heutigen Endprodukt vergleicht. Es war eine Wüste von einheitlichen Häuserblocks, Autos und kleinen Männchen, die alle gleich aussehen. Dazwischen ein paar herausstechende Geschäfte und – mehr schlecht als recht versteckt – die Szenen unseres ersten Falls: „Dead Cat“.“

Doch die Arbeit hatte sich gelohnt, denn die Testspieler waren begeistert und so ging die Arbeit weiter. Anfang 2019 kam dann Michael Schmitt, Verlagsinhaber der Edition Spielwiese, dazu. (Kennt ihr schon unseren Blogbeitrag zur Edition Spielwiese, in dem wir euch unseren Partner genauer vorstellen? Wenn nein, klickt doch mal rein!) Von der Spielidee hatte er schon im Herbst 2018 gehört und nach dem ersten Anspielen Anfang 2019 stand für ihn sofort fest, dass er dieses Spiel unbedingt verlegen müsse. Und die nächsten Testrunden gaben ihm Recht: „Von der Familie bis zum Freundeskreis. Bisher gab es keine Gruppe, die das Spiel nicht geliebt hat. Die meisten wollten nicht nach dem zweiten und auch nicht nach dem fünften Fall aufhören zu spielen.“

Wie ihr euch vermutlich schon gedacht habt, war die Arbeit an MicroMacro nicht unbedingt vergleichbar mit der Entwicklung anderer Brettspiele, wie Daniel bestätigt: „Wir haben viele Mechaniken ausprobiert und haben parallel sogar eine Test-App entwickelt, mit der wir viele Erfahrungen zur Spielmechanik sammeln konnten … und auch die Erkenntnis, dass sich manche Dinge digital nicht umsetzen lassen. Das Spielerlebnis, gemeinsam an einer großen Karte zu stehen, lässt ganz andere Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Spielern zu als ein räumlich und haptisch beschränkter Bildschirm. Schon der Umstand, dass mehrere Personen auf verschiedene Punkte auf der Karte deuten können ist eine große Stärke der gedruckten Stadtkarte.“ Tobias erinnert sich noch an eine Testrunde, die für ihn deutlich die Stärken der analogen Umsetzung gezeigt hat: „Bei einem Testspiel mit einer gemischten Gruppe von 20, 48 und 63 Jahren hatte  die 63-jährige Person Probleme mit den Augen und so auch Schwierigkeiten, die Details zu erkennen. Letztlich steuerte aber gerade sie die meisten Hinweise bei – alleine durchs Nachdenken, Kombinieren und vor allem Abstimmen mit ihren Mitspielern.  Das war für mich ein wichtiger Moment, denn es wurde nochmal deutlich, wie wichtig das Sprechen, Reindenken und Knobeln bei MicroMacro ist.“

Während die anfänglichen Tests mit der Familie, Freunden oder Kollegen noch weitgehend „normal“ abliefen, änderte Corona die Bedingungen plötzlich drastisch, wie Johannes berichtet: „Mitten in der finalen Testphase war es plötzlich nicht mehr möglich, Leute zu treffen, andere Wohnungen zu besuchen und dergleichen. Wir waren bereits unter Zeitdruck, also musste eine schnelle Lösung her und so entwickelten wir eine Handvoll Prototypen, die wir per Post an Paare und WGs schickten, damit sie das Spiel zu Hause testspielen konnten. Wir haben dann per Videokonferenz zugeschaut, sozusagen als stiller Beobachter, oder auch ohne Videoübertragung einfach nur den Gesprächen der Spieler gelauscht. Wie sich herausstellte war dieses Test-Setting gar nicht mal so schlecht, denn die Spieler waren ohne einen direkten Beobachter noch unbefangener, aber wir konnten trotzdem dabei sein und sowohl Verständnisprobleme in den Stories als auch Dramaturgie und Spielspaß miterleben und so wertvolle Erkenntnisse für die Optimierung gewinnen. Insgesamt hatten wir wirklich sehr sehr viele Testgruppen: Von eingefleischten Brettspielern bis hin zu Gruppen, die normalerweise wenig bis überhaupt keine Brettspiele spielen – zumindest bis MicroMacro. :)“

Obwohl Johannes, Daniel und Tobias sich über mehrere Jahre hinweg mit ihrem Spiel beschäftigt haben, ist die Faszination bis heute geblieben: „MicroMacro ist ein leicht zugängliches Spiel, die Regeln sind schnell gelernt und man muss auch nicht mehrere Stunden in eine Partie investieren. Dennoch entwickelt sich beim Spielen schnell das Gefühl, dass es unendlich viel zu entdecken, zu finden und aufzuklären gibt. Durch die feinen Details hat man immer den Eindruck, da ist doch noch etwas verborgen, da versteckt sich noch was. Das Annähern und wieder Entfernen, das Kombinieren, das Knobeln und Diskutieren mit den Mitspielern fördert eine ganz neue Form der Spieldynamik“ sagt Tobias.

Zu guter Letzt verraten uns Michael und Johannes noch ein kleines Geheimnis: „Auch manche Bewohner und Tiere von Crime City, die nicht direkt in Verbindung mit den Fällen stehen, haben einen Tagesablauf. Es gibt zahlreiche kleine Szenen und versteckte Nebenstories, die die Spieler entdecken können. Und an einer Stelle im Spiel gibt es sogar eine Spielgruppe, die MicroMacro spielt.“

Wie ihr seht, gibt es in MicroMacro – Crime City nicht nur jede Menge zu entdecken, sondern es gibt auch viel darüber zu berichten – viel zu viel, um euch an dieser Stelle alle interessanten Details zu erzählen. Doch während ihr Crime City selbst untersuchen und alle Details entdecken müsst, könnt ihr weitere spannende Hintergrundinfos über MicroMacro, z.B. wie die Idee zum Spiel überhaupt entstanden ist, ganz einfach in einem Interview mit dem Entwickler-Trio und Michael Schmitt in der aktuellen Ausgabe des Ringboten nachlesen.

 

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